Themenwelt: Informieren
Digitale Schatzkammer
3. März 2009: Der Gebäudekomplex des Stadtarchivs Köln stürzt samt zweier benachbarter Wohngebäude ein. Zwei Menschen kommen dabei zu Tode. Das größte kommunale Archiv nördlich der Alpen verschwindet mitsamt hunderttausenden wertvollen Dokumenten aus über tausend Jahren Kölner und rheinischer Geschichte. März 2014: Fünf Jahre nach dem Unglück arbeitet das Historische Archiv der Stadt Köln (HAStK) immer noch an der großen Aufgabe, das Archivgut zu retten und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.
Digitale Schatzkammer

Was hat das mit der digitalen Gesellschaft zu tun? Auf der Website www.historischesarchivkoeln.de macht das „Digitale Historische Archiv der Stadt Köln“ (DHAK) seit März 2009 zumindest die digitalisierten Bestände des eingestürzten Kölner Stadtarchivs recherchierbar.

Internetnutzerinnen und –nutzer
helfen bei der Erschließung
von Archivalien.

Ein großes Forscherteam stellt die sogenannten „Digitalisate“ auch für wissenschaftliche Zwecke bereit. Ein wichtiger Ansatz ist das „Crowdsourcing“, bei dem Gruppen von Internetnutzerinnen und -nutzern aus Wissenschaft und Öffentlichkeit bestimmte Aufgaben übernehmen. Sie erschließen und identifizieren – freiwillig und über das Internet vermittelt – die große Menge an geborgenen Archivalien. Um diese Arbeit zu erleichtern und unterstützen, entwickelt das Projekt einen auf Archivgut zugeschnittenen „Viewer“ zur Ansicht der Digitalisate.

Wissenschaft und Öffentlichkeit helfen und profitieren

Im ersten Projektjahr hat das DHAK sein Angebot ausgeweitet: So besuchen – dank Aktivitäten auf verschiedenen Social-Media-Kanälen wie Twitter, Facebook, Google+ und Youtube – viel mehr Nutzerinnen und Nutzer die Seiten des DHAK. Außerdem werden nun neben den online gestellten digitalisierten Archivalien auch die Zivilstandsregister und Zweitschriften der Personenstandsregister Nordrhein-Westfalen angeboten. In Zusammenarbeit mit der Westdeutschen Gesellschaft für Familienforschung und dem Verein für Computergenealogie läuft dazu ein weiteres Crowdsourcing-Projekt, um die Geburts-, Sterbe- und Heiratsurkunden der Register digital durchsuchbar zu machen.

Digitalisierung
sichert und bewahrt
historische Dokumente.

Kern der Projektarbeit des ersten Projektjahres war es, ein Gesamtkonzept für das DHAK zu erarbeiten, das die Nutzerinnen und Nutzer in die Lage versetzen soll, aktiv Daten zu erheben, um eine Tiefenerschließung der Archivalien zu ermöglichen. Diese Erschließung ist wiederum die Basis für die Identifizierung der durch den Einsturz verunordneten Archivalien – ein im Archivwesen einzigartiges Konzept.

Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat gezeigt, wie schnell kulturelles Erbe verloren gehen kann. Digitalisierung sichert und bewahrt nicht nur die in Köln geborgenen Schriftstücke, sondern Dokumente überhaupt. Dank des DHAK können Wissenschaft und Öffentlichkeit auf das digitalisierte Archivgut zugreifen und auch in Zukunft damit arbeiten.

Steckbrief

Name des Projekts: Das digitale Historische Archiv Köln: Digitale Präsentation der Archivalien
und virtuelle Rekonstruktion der Bestände des Historischen Archivs der Stadt Köln.

Standort: Historisches Archiv der Stadt Köln, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Abteilung für Rheinische Landesgeschichte, prometheus – Das verteilte digitale Bildarchiv für Forschung & Lehre e.V.

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Dr. Bettina Schmidt-Czaia; Dr. Ulrich Fischer; Dr. Andreas Berger;
Dr. Max Plassmann; Dr. Benjamin Bussmann; Jochen Hermel, M.A.; Janusch Carl, M.A.; Jasmin Vogl; Christian Fabian Näser;
Prof. Dr. Manfred Groten; Dr. Andreas Rutz; Manuel Hagemann, M.A.; Lukas Miebach, B.A.; Prof. Dr. Holger Simon;
Dr. des. Lisa Dieckmann

DFG-gefördert im Programm: LIS-Förderprogramm „Informationsmanagement“      
Förderung:
seit 2012

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