Themenwelt: Aufpassen
Im Dunst der Wolke
Der Begriff „Cloud-Computing“ ist in aller Munde. Schon heute gibt es kaum noch IT-Anbieter, die keine Dienstleistungen rund um die „Rechnerwolke“ anbieten. Kunden sind sowohl Unternehmen, die etwa ihre Rechenkapazitäten in die Cloud auslagern, als auch Privatleute, die ihre Fotos und Dateien im Internet speichern. Dazu gehört Vertrauen in die technische Sicherheit und den Schutz der Daten in der Cloud. Dieses Vertrauen wurde nicht zuletzt durch die Debatte um die Abhörpraxis der amerikanischen NSA erschüttert.

Cloud Computing beschreibt den Ansatz, Rechen- oder Netzwerkkapazität, Datenspeicher, aber auch fertige Software dynamisch, also an den Bedarf angepasst, über ein Netzwerk zur Verfügung zu stellen. Für die Nutzerinnen und Nutzer scheint diese IT-Infrastruktur fern und undurchsichtig, wie von einer „Wolke“ verhüllt. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Ayten Öksüz und ihr Kollege Nicolai Walter untersuchen in ihrem Forschungsprojekt, wie es um das Vertrauen in Cloud Computing bestellt ist.

Bild 1: Empfehlungsagenten können nicht nur die wahrgenommene Komplexität von AGBs oder technischen Informationen reduzieren, sondern auch das Gefühl von menschlicher Wärme vermitteln, und somit Vertrauen erzeugen.

Dazu betrachten sie unterschiedliche Risikoaspekte, die die Nutzung von Cloud-Diensten mit sich bringen. Zum Beispiel der Datenschutz: Hierbei analysieren die Forscherinnen und Forscher, wie grafische Abbildungen AGBs und Datenschutzerklärungen für Cloud-Dienste verdeutlichen können. Eine weitere Frage des Projekts ist, wie die Gestaltung von Anbieterwebsites mehr Transparenz und mehr persönliche Nähe erzeugt. Denn in puncto Vertrauen haben Cloud-Dienste den Nachteil, dass sie gemeinhin online, ohne Kontakt zwischen Menschen, angeboten werden. Sie sind technisch und abstrakt, was den unpersönlichen Eindruck und den Mangel an persönlichem Bezug zum Anbieter noch verstärkt.

Oft ist dem Nutzer völlig unklar, mit wem, also mit welchen Personen er es zu tun hat. In diesem Zusammenhang prüft das Forscherteam auch den Einsatz von Empfehlungsagenten, die als dem Menschen nachempfundene Ansprechpersonen Vertrauen schaffen sollen. Studien haben gezeigt, dass dies prinzipiell funktioniert.

Vertrauen durch Verständlichkeit, Transparenz und persönliche Nähe

Bild 2: Die Abbildung von realen Menschen soll den unpersönlichen Eindruck und den Mangel an persönlichem Bezug zum Anbieter kompensieren.

Die beiden Wissenschaftler stießen vor allem auf viel Halbwissen und viele Vorbehalte zum Thema Cloud Computing. So gibt es eine große Diskrepanz zwischen der Vorstellung der Kunden, wie ihre Daten gesichert werden, und dem, was Anbieter tatsächlich einsetzen können. Daher ist Kommunikation rund um das Cloud Computing sehr wichtig. Nur wenn Kunden das Gefühl haben, dass neu entwickelte und eingesetzte Sicherheitstechniken wirklich mehr Sicherheit und Schutz bieten, kann Vertrauen zum Anbieter aufgebaut werden.

Bild 3: Die gezielte Nutzung von Visualisierungen soll AGB-Texte oder Datenschutzerklärungen auflockern und ein besseres Verständnis ermöglichen.

So deuten erste Ergebnisse darauf hin, dass eine geeignete Gestaltung die AGBs und Datenschutzerklärungen von Cloud-Computing-Dienstleistungen verständlicher macht – und die Nutzerinnen und Nutzer sich ein besseres Bild darüber machen können, ob ihre Daten in der Cloud sicher sind und der Datenschutz gewahrt bleibt. So kann der Anbieter mit einem kundenfreundlichen Service das Vertrauen in seine Dienste erhöhen. Daneben sind Ansprechpersonen vor Ort wichtig. Weil das aber vor allem kleinere Anbieter nicht leisten können, sind Konzepte nötig, die trotz des digitalen Kontakts persönliche Nähe schaffen.

Cloud Computing wird künftig aufgrund seiner immensen Vorteile eine zentrale Rolle in der Nutzung digitaler Medien spielen. Das Forschungsprojekt des Münsteraner Wissenschaftlerteams zeigt einerseits die Risiken in Bezug auf Cloud Computing auf und andererseits wie Cloud-Anbieter ihre Dienstleistungen für Nutzerinnen und Nutzer vertrauenswürdiger und transparenter gestalten können. So trägt das Projekt dazu bei, die technischen Möglichkeiten der digitalen Gesellschaft den Menschen besser zu vermitteln.

Steckbrief

Name des Projekts: Vertrauen in Cloud Computing

Standort: Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:

Dipl.-Kffr. Ayten Öksüz; Nicolai Walter, M.Sc.; Prof. Dr. Jörg Becker

DFG-gefördert im Programm: Graduiertenkolleg 1712 „Vertrauen und Kommunikation in einer digitalisierten Welt“
Förderung: seit 2012

NACH OBEN