Themenwelt: Erfinden
Zu Tisch, bitte
Ist die Zukunft des Museums virtuell? Immer mehr Computer und Kommunikationstechnologien halten dort Einzug. Sie ermöglichen Interaktionen, die Besucherinnen und Besuchern ganz neue Erfahrungen mit den Exponaten bescheren sollen: intensiv, lehrreich und erlebnisorientiert. Doch was müssen die digitalen Exponate können, um nicht nur unterhaltsam zu sein, sondern gleichzeitig auch Wissen zu vermitteln?
Sehender Multitouch-Tisch

Die Sozialwissenschaftlerin Kalja Kanellopoulos und der Informatiker Michael Storz beschäftigen sich als interdisziplinäres Forschungsteam mit der Konzeption eines „sehenden Multitouch-Tisches“. Dieser soll auf Personen in seinem Umkreis reagieren können. Um zu erfahren, wie Museumsbesucherinnen und −besucher interaktive Tische in Ausstellungen annehmen und wie sie mit ihnen umgehen, beobachtet die Sozialwissenschaftlerin das Geschehen live vor Ort in Ausstellungen, die bereits solche interaktiven Tische integriert haben.

Der Multitouch-Tisch kann
Menschen an einem Ort verbinden
und die Kommunikation
zwischen ihnen anregen.

Michael Storz ist für die technische Umsetzung zuständig und befasst sich mit Erkennungsverfahren. Beide gemeinsam nutzen ihre jeweiligen Erkenntnisse, um das Design des Multitouch-Tisches zu optimieren. Außerdem konzipieren sie Anwendungen, die die verschiedenen Fähigkeiten des Tisches nutzen, wie etwa ein Kartenspiel für mehrere Spieler und ein Pong-Spiel.

Wissenschaftliche Erkenntnisse für ein interaktives Gemeinschaftserlebnis

Bisher hat das Forscherteam den Multitouch-Tisch konzipiert, konstruiert und während einer einmonatigen Studie in einem Museum erfolgreich getestet. Das Ergebnis: An dem Tisch können nicht nur mehrere Benutzer gleichzeitig aktiv sein, sondern sie können auch miteinander interagieren. Das Erkennungssystem passt die dargestellten Inhalte an die jeweilige Situation und die Nutzer an. Es berücksichtigt beispielsweise das Alter, die Position und die Menge der Besucher. Es gibt verschiedene Sitz-, Knie- und Stehflächen, damit unterschiedliche Gästetypen einen bequemen Zugang zu den Funktionsflächen des Tisches haben. Denn er soll sowohl durch seine Bauweise als auch durch die Software eine möglichst große Anzahl von Menschen ansprechen.

Das Erkennungssystem
passt die dargestellten Inhalte
an die jeweilige Situation
und die Nutzer an.

Für die Zukunft haben sich Kanellopoulos und Storz vorgenommen, zu untersuchen, wie Gruppen von Benutzern gleichzeitig und miteinander mit einem Multitouch-Tisch interagieren. Umfangreiche Video-Aufzeichnungen ergaben bereits viele Erkenntnisse zum Verhalten und damit Hinweise für Verbesserungen. Besonders überrascht hat die Wissenschaftler, wie viel Zeit Benutzer mit der gemeinsamen Interaktion mit dem System verbrachten. Teilweise blieben sie bis zu einer Stunde und kehrten mehrfach zum Tisch zurück.

Während Smartphones und Computer Menschen verbinden, die an verschiedenen Orten sind, kann der Multitouch-Tisch Menschen an einem Ort verbinden und die Kommunikation zwischen ihnen anregen. Benutzerinnen und Benutzer können mit ihrem sprichwörtlichen Gegenüber gleichzeitig digital und real kommunizieren. Ein solches System könnte zukünftig in Museen zum Einsatz kommen und digitale Inhalte gemeinschaftlich und interaktiv erschließen.

 

Steckbrief

Name des Projekts: Sehender Multitouch-Tisch

Standort: Technische Universität Chemnitz

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Kalja Kanellopoulos, M.A.; Michael Storz, M.Sc.

DFG-gefördert im Programm: Graduiertenkolleg 1780 „Kopplung virtueller und realer sozialer Welten“

Förderung: seit 2012

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