Themenwelt: Kommunizieren
Office to go
Ob Google, Vodafone oder Siemens – viele große Unternehmen setzen mittlerweile auf das mobile Büro und liegen damit voll im Trend. Denn die voranschreitende Digitalisierung verändert auch unser berufliches Umfeld: Arbeitsplatz und Arbeitsort müssen heute nicht zwangsläufig dieselben Koordinaten haben; selbst der eigene Schreibtisch ist passé.
Office to go

Flexible Bürokonzepte stehen im Mittelpunkt des Forschungsprojekts der Psychologen Christina Wohlers und Guido Hertel. In vielen Unternehmen wechseln die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zukünftig täglich ihren Arbeitsplatz. Zum einen sollen auf diese Weise Betriebskosten für leer stehende Büros eingespart werden, zum anderen erfordert moderne Büroarbeit sowohl Konzentration als auch effektive Kommunikation im Kollegenkreis. Bisher etablierte Bürokonzepte können meist nur einen dieser beiden Aspekte zufriedenstellend erfüllen.

Flexible Bürostrukturen
fördern die Kommunikation
zwischen Teams.

Die Münsteraner Wissenschaftler interessiert in diesem Zusammenhang, wie sich Einstellungen, Wahrnehmung und Verhalten von Beschäftigten in flexiblen Bürokonzepten im Vergleich zu der Arbeit in etablierten Zellen- oder Großraumbüros ändern. Dazu führen sie derzeit eine Längsschnittuntersuchung durch, bei der zu drei Messzeitpunkten im Abstand von jeweils zwölf Monaten Berufstätige, die in ein flexibles Büro umgezogen sind, nach ihren Erfahrungen mit der neuen Arbeitsweise befragt werden. Neben den erlebten Vor- und Nachteilen der Bürokonzepte geht es dabei insbesondere darum, wie sich Kommunikation, Vertrauen und Teamarbeit zwischen den Kolleginnen und Kollegen verändert und entwickelt haben.

Wie flexible Bürokonzepte Teamprozesse verändern

Die Ergebnisse der ersten Befragungswelle zeigen, dass die organisationsinterne Kommunikation in der neuen Bürostruktur zugenommen hat. Dies betrifft sowohl den informellen, persönlichen Austausch als auch die formelle, aufgabenbezogene Kommunikation. Viele der Interviewten berichten, dass der Austausch vermehrt zwischen den Teams stattfindet, wohingegen der Austausch innerhalb der eigenen Gruppe im Vergleich zu der alten Bürosituation geringer geworden ist. Die bessere Verständigung unter den Teams hängt nach Ansicht der Interviewten zum einen mit der offenen Bürostruktur, zum anderen mit den Platzwechseln und den daraus entstehenden Kontakten zusammen. Somit geben diese Ergebnisse erste Hinweise darauf, wie flexible Bürokonzepte Teamprozesse verändern.

Das Vertrauen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untereinander hat sich zum Zeitpunkt der ersten Befragungswelle durch den Wechsel zum flexiblen Bürokonzept nicht verändert. Allerdings arbeiten die Befragten bei der ersten Befragung erst seit Kurzem in dem flexiblen Bürokonzept. Die Wissenschaftler vermuten, dass die freie Arbeitsplatzwahl sich langfristig durchaus auf das Vertrauen auswirken wird. Dadurch, dass die Teammitglieder sich nicht mehr unmittelbar beobachten können, könnte es schwerer werden, gegenseitiges Vertrauen zu entwickeln und aufrechtzuerhalten. Zudem prognostizieren die Forscher, dass vermehrt Vertrauensbeziehungen zwischen den Teams entstehen werden, da die Mitglieder verschiedener Teams sich durch die freie Arbeitsplatzwahl häufiger sehen und mehr miteinander kommunizieren werden.

Gegenseitiges Vertrauen
innerhalb von Teams
könnte durch die freie
Arbeitsplatzwahl sinken.

Für die Zukunft zeichnet sich in immer mehr Unternehmen die Umstellung auf flexible Bürokonzepte ab. Das Münsteraner Forschungsprojekt begleitet diesen Prozess und gibt Anhaltspunkte, wie die neuen Konzepte gewinnbringend umgesetzt werden können. Die Ergebnisse des Projektes weisen darauf hin, wie die Kommunikation in Teams und darüber hinaus in flexiblen Bürokonzepten gelingen kann – die Basis für erfolgreiche und zufriedene Mitarbeiter in einer digitalisierten Arbeitswelt.

Steckbrief

Name des Projekts: Veränderung von Kommunikation und Vertrauen in flexiblen Bürokonzepten

Standort: Westfälische Wilhems-Universität Münster

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Dipl.-Psych. Christina Wohlers; Prof. Dr. Guido Hertel

DFG-gefördert im Programm: Graduiertenkolleg 1712 „Vertrauen und Kommunikation in einer digitalisierten Welt“
Förderung: seit 2012

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